sipgate.
Vier Jahre sipgate. Anderthalb davon als Software Developer im CLINQ-Team, knapp zwei als Product Owner — in zwei sehr unterschiedlichen Phasen. Erst rund ein Jahr für die ersten KI-Cases im VoIP-Stack: Discovery-Zyklen, Walking-Skeleton, fünf Kunden pro Hypothese. Danach das ambitioniertere Stück: Q-Machine, ein neues Cloud-Telefonie-Backend mit großer Vision und entsprechend großem Technik-Risiko.
Telefonie trifft auf KI — vorsichtig.
sipgate war die etablierte Cloud-Telefonie für KMU. KI-Themen standen auf der Roadmap, aber es gab keine klare These, welche Use Cases wirklich Wert für bestehende Kunden bringen — und welche nur als Demo gut aussehen. Mein Auftrag in der ersten PO-Phase: aus dem Nebel konkrete, belastbare Cases machen. Ein Hypothese-Zyklus musste her, fünf Kunden pro Hypothese, harte Kill-Kriterien. Kein stilles Weiterbauen aus Sunk-Cost.
Vom AI-Stack zum Cloud-Telefonie-Backend.
Nach rund einem Jahr wurde intern neu sortiert. Mein Software-Engineering-Hintergrund passte gut zum technischeren Profil von Q-Machine — der nächsten PO-Rolle dort. Das AI-Thema übernahm parallel ein anderer PO. Q-Machine war die Vision eines neuen, eigenständigen Cloud-Telefonie-Backends für das damals parallel entwickelte CLINQ Softphone (heute sipgate Softphone). Großer Anspruch, großer Technik-Stack.
| Phase | Meilenstein | Wirkung |
|---|---|---|
| 2018 · Q4 — 2020 · Q3 | Software Developer · CLINQ (R&D) Scrum-Team mit Extreme-Programming-Praktiken. Beiträge zu WEB-App, Java-Backend, Analytics und Paymentlösung. Einführung eines Pirate-Funnel mit Multi-Source-Integration. | Tech-Basis / Analytics |
| 2020 · Q3 — 2021 · Q3 | PO Phase A · AI-Cases im VoIP-Stack Discovery-Zyklen, Walking-Skeleton-Prototyp durch den VoIP-Stack, Hypothesenvalidierung /-falsifizierung. Zwei Cases mit echter Nachfrage identifiziert, mehrere bewusst verworfen. | Cases validiert |
| 2021 · Q4 — 2022 · Q3 | PO Phase B · Q-Machine Wechsel ins Q-Machine-Team. Vision: ein neues Cloud-Telefonie-Backend, das das CLINQ Softphone trägt und Drittanbieter-Provider anbindet — Marktdurchdringung über das eigene Portfolio hinaus. Tech-Stack stellte sich als anspruchsvoll heraus, Discovery-Heuristiken aus Phase A waren weniger anwendbar. | Backend-Vorlauf |
| nach Mitte 2022 | Strategie-Anpassung & Wechsel Nach meinem Weggang wurde die Q-Machine-Strategie neu geschnitten. Ich bin gegangen, weil die Tech-PO-Rolle nicht das war, was ich produktstrategisch suchen wollte — der Wechsel zu d.velop war der nächste konsequente Schritt Richtung Senior PM und später Head of Product. | Wechsel |
- Walking-Skeleton vor UI — Machbarkeit hart testen, bevor Design-Energie reinfließt.
- 5-Kunden-Regel pro Hypothese — schnell genug für Tempo, tief genug für Signal.
- Klare Kill-Kriterien im Vorfeld — Emotion aus der Entscheidung raus.
- Tech-Hintergrund als Brücke zwischen Engineering, Product und Vision-Diskussionen.
- KI-Erwartungen managen — Hype vs. reale Machbarkeit 2020/2021.
- Q-Machine: ambitionierter Tech-Stack, der Discovery-Heuristiken aus Phase A nur begrenzt zuließ.
- Telefonie-Edge-Cases (Latenz, Qualität, DSGVO) als harte Grenzen.
- Tech-PO-Rolle vs. produktstrategischer Anspruch — am Ende der Grund für den Wechsel.