Pascal JordinProduct Builder / Manager · AachenOpen to conversations
Cases/01 · INFORM
Case 01 · 12 Min Lesezeit · 2025

Value-Based-Pricing bei INFORM.

Neun Monate als Head of Product Management in Aachen. Portfolio-Bruttomarge von rund 63 auf etwa 80 Prozent. Reorganisation des PM-Teams, Einführung von Value-Based-Pricing und die ersten nativen KI-Features in Produktion.

Ergebnisse04.2025 — 12.2025
Portfolio-Bruttomarge~63 % → ~80 %
Zeitraum9 Monate
Pricing-ModellCost-Plus → Value-Based
Natives KI-FeatureFELIOS AI SupplyTimePrediction
−42 %
PM-Team4 Personen, neu aufgebaut
01 · Ausgangslage

Ein Portfolio mitten im Wandel zu intelligenten Lösungen.

INFORM ist seit Jahrzehnten im Feld Produktionsplanung und Decision Intelligence etabliert. Das Portfolio war etabliert, aber das bestehende Pricing stammte aus einer Ära, in der Compute billig und KI kein Produktthema war. Gleichzeitig lief der strategische Schwenk: weg vom klassischen On-Premises Optimierer, hin zum intelligenten, KI-gestützten Cloud-System. Mein Auftrag: Product Management professionalisieren, neue Produktkandidaten explorieren und das Portfolio wirtschaftlich auf diesen Kurs heben.

„Wir verkauften strategische Entscheidungen zum Preis von Features."
02 · Entscheidung

Drei Achsen parallel bewegt.

Achse 1
PM-Team & Prozesse neu

Aufbau und Coaching eines neuen crossfunktionalen 4-Personen-Product-Management-Teams. Moderne Frameworks von Discovery bis Delivery. Einheitlicher Planungsprozess über Produktgrenzen hinweg.

Achse 2
Pricing- & Portfolio-Hebel

Fünf greifende Hebel: Deal-Desk, Business-Case-Gate, Wartungspreis-Neuberechnung, nutzungs-gekoppeltes Pricing, Team-Rightsizing. Weg von Cost-Plus, hin zu durchgerechneter Portfolio-Wirtschaftlichkeit.

Achse 3
FELIOS AI SupplyTimePrediction live

Erstes natives KI-Modul in Produktion. Prognostiziert Wiederbeschaffungszeiten datenbasiert — reduziert Schätzfehler um bis zu 42 % durch Analyse historischer Lieferdaten und Lieferantenverhalten.

02b · Die fünf Hebel · verteidigbar gegen den Skeptiker

Was die 17 Punkte wirklich bewegt hat.

17 Punkte Portfolio-Bruttomarge in 9 Monaten klingen optimistisch, wenn man sie einer Lift-&-Shift-Cloud-Migration zuschreibt — denn Lift & Shift ist in Jahr eins typisch margen-dilutiv. Das war nicht der Hebel. Der Hebel waren fünf gleichzeitig greifende Pricing- und Portfolio-Maßnahmen, dokumentiert im INFORM-Masterplan GB40.

Hebel 1 · Quellen-Kontrolle
Deal-Desk für Feature-Requests

Vierstufige Eskalation (Vertrieb → HoS → HoP → BL), Durchlaufzeit ein Tag bis eine Woche, Vorabfreigabe vor Verhandlung. Blockiert margen-dilutive Mischverträge, die Lizenzumsatz mit Custom-Consulting querfinanzieren — an der Quelle.

Hebel 2 · R&D-Allokation
Business-Case-Gate für neue Funktionen

Freigegebene Budgets + standardisiertes Business-Case-Template. Neufunktionen gelten als Investitionen, nicht als umsatzsteigernd. R&D-Spend fließt nur in Produkte mit rentablem Target — stoppt Feature-Invest in strukturell unrentable Linien.

Hebel 3 · Preiskorrektur
Wartungspreis-Neuberechnung je Produkt

Vollständig durchgerechnetes Modell: Betreuungsschlüssel je Produkt → EUR/Kunde/Jahr → Ist-Marge → Ausgleichsfaktor zu 85 % Target-Marge. Ausgleichsfaktoren zwischen 1,2 und 9,6. Eliminiert Querfinanzierung einzelner Linien durch margenstarke Bestandsverträge.

Hebel 4 · Wert-Kopplung
Nutzungs-gekoppeltes Pricing

Neues Preismodell nach Nutzungsaufkommen für margenkritische Produkte. Reale Preise je Produkt gegen reale Aufwände und Eigenanteile am Umsatz — Wirtschaftlichkeitsbetrachtung je Produkt wird überhaupt erst möglich. Durch Vertriebsleitung kommuniziert.

Hebel 5 · Kapazitäts-Steuerung
Team-Shifting / Rightsizing

Wachstumsbremse auf gesunde Zahl statt ungebremster Headcount-Expansion. Bestandsteams laufen sukzessive in die margenstarken Neu-Produkte. Personalkostenseite wird aktiv gesteuert, nicht nur die Umsatzseite.

„Lift & Shift war die Cloud-Readiness. Der Hebel waren die Gates." — zur 80 %-Marke: kalkulierte Portfolio-Marge aus neuem Pricing-Modell, je Produkt Ist-Marge, Ziel-Marge, Ausgleichsfaktor. Kein aus-der-Luft-Zielwert: Ein Vergleichsprodukt im selben Konzern erwirtschaftet bereits einen Deckungsbeitrag > 80 % — der Zielwert ist also intern geeicht.
03 · Umsetzung · Zeitlinie
PhaseMeilensteinMetrik
Monat 1–3Team-Aufbau & Landscape
Führung neues PM-Team, Einstieg in moderne Discovery- und Delivery-Frameworks, Bestandsaufnahme von Portfolio, Pricing und KI-Potenzialen.
Baseline
Monat 3–6Bereichsübergreifende Roadmap
Erste bereichsübergreifende Produkt-Roadmap erstellt. Datenbasierte Priorisierung und strategische Ressourcensteuerung auf Portfolio-Ebene.
Portfolio-Fokus
Monat 4–9Pricing-Modell & KI-Launch
Deal-Desk, Business-Case-Gate, Wartungspreis-Neuberechnung und nutzungs-gekoppeltes Pricing eingeführt. FELIOS AI SupplyTimePrediction in Produktion — Wiederbeschaffungszeit-Prognose, −42 % Schätzfehler.
KI live · −42 %
Monat 9Portfolio-Marge konsolidiert
Durchschnittliche Bruttomarge im Portfolio von rund 63 % auf etwa 80 % gehoben — strukturelle und methodische Basis für outcome-orientiertes PM.
Marge ~+17 P.
04 · Was funktioniert hat
  • Reorganisation des PM-Teams vor Pricing-Arbeit — ohne Team kein durchtragbares Modell.
  • Bereichsübergreifende Roadmap statt Produkt-Einzel-Roadmaps als Entscheidungsgrundlage.
  • Usage-Based & Value-Based Mix-Pricing am KI-Feature erprobt — klare Wirkung vor Ausweitung auf das Portfolio.
  • KI-Rollout als Teil der Strategie positioniert, nicht als isoliertes Tech-Projekt.
05 · Was herausfordernd war
  • Gleichzeitig Team aufbauen, Prozesse einziehen und wirtschaftlichen Hebel zeigen.
  • Value-Based-Pricing in einer Organisation mit langjähriger Cost-Plus-Prägung etablieren.
  • KI-Feature-Pricing ohne belastbare Marktbenchmarks — viele Entscheidungen unter Unsicherheit.
  • Portfolio-Priorisierung gegen etablierte Einzel-Produkt-Roadmaps durchsetzen.
06 · Was ich wiederholen würde
Lessons Learned
01   Erst Team & Prozess, dann Pricing — in dieser Reihenfolge.
02   Portfolio-Margen bewegt man an den Gates, nicht an der Infrastruktur.
03   Wartungspreise je Produkt durchrechnen — Querfinanzierung sichtbar machen.
04   Pricing ist Produktarbeit, nicht Finance-Arbeit.
05   Portfolio-Roadmap schlägt Einzel-Produkt-Roadmap.
06   KI-Feature-Launch parallel zum Pricing — nicht als isoliertes Tech-Projekt.
Arbeitest du an einem ähnlichen Pricing-Problem?

30 Minuten, kostenlos. Ich höre zu, stelle ein paar Fragen, sage dir ehrlich, ob ich helfen kann oder nicht.

Book a call →
← Alle CasesCase 02 · sipgate · KI-Conversational · Q2 2026 →